Materialien & Etiketten

Welche Trägermaterialien sich für den Barcodedruck eignen und worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Warum das Material entscheidend ist

Das Trägermaterial beeinflusst maßgeblich, wie gut ein Barcode gedruckt werden kann und wie lange er lesbar bleibt. Ein Etikett im Tiefkühllager muss anderen Anforderungen standhalten als eines auf einer Produktverpackung im Einzelhandel.

Neben dem eigentlichen Druckmaterial spielen auch Klebstoffe und – beim Thermotransferdruck – die verwendeten Farbbänder eine wichtige Rolle. Nur wenn alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind, entsteht ein dauerhaft lesbarer Barcode.

Die Materialwahl hat direkten Einfluss auf die Druckqualität, Haltbarkeit, Lesbarkeit und letztlich auf die Kosten pro Etikett. Eine falsche Materialwahl kann zu unlesbaren Barcodes, Produktionsausfällen oder Reklamationen führen.

Materialübersicht im Vergleich

MaterialKostenHaltbarkeitWasserbeständigChemikalienTemperaturTypischer Einsatz
Thermopapier3-6 Monate-20°C bis +60°CVersand, Kasse, kurzfristig
Gestrichenes Papier1-2 Jahre-20°C bis +80°CProduktetiketten, Lager
Vellum (ungestrichenes Papier)6-12 Monate-20°C bis +70°CBüro, Inventar
PE-Folie (Polyethylen)€€2-5 Jahre⚠️ begrenzt-40°C bis +80°CKosmetik, flexible Verpackungen
PP-Folie (Polypropylen)€€3-7 Jahre⚠️ begrenzt-40°C bis +120°CLebensmittel, Getränke
PET-Folie (Polyester)€€€5-10+ Jahre-60°C bis +150°CIndustrie, Typenschilder
Vinyl (PVC)€€€5-8 Jahre-40°C bis +80°COutdoor, Schilder
BOPP (biaxial orientiertes PP)€€3-5 Jahre⚠️ begrenzt-20°C bis +100°CKosmetik, Premium-Produkte
Metallfolie (Aluminium)€€€€10+ Jahre-80°C bis +300°CSicherheit, Hochtemperatur

Papieretiketten

Papier ist das am häufigsten verwendete Material für Barcode-Etiketten. Es ist kostengünstig, gut bedruckbar und für viele Standardanwendungen ausreichend. Etwa 60-70% aller Barcode-Etiketten werden auf Papier gedruckt.

Papiervarianten im Detail

Thermopapier (Thermodirekt): Wird direkt durch Wärme bedruckt, ohne Farbband. Sehr kostengünstig für Kurzzeit-Anwendungen. Verblasst nach wenigen Monaten durch UV-Licht und Wärme. Typisch für Versandetiketten, Kassenbons und temporäre Kennzeichnungen.

Mattgestrichenes Papier: Bietet eine gute Druckqualität mit sattem Schwarz. Die matte Oberfläche ist blendarm und ermöglicht problemloses Scannen aus verschiedenen Winkeln. Standard für Produktetiketten und Lagerlogistik.

Glänzend gestrichenes Papier: Eignet sich für hochwertige Optik bei Verkaufsetiketten. Die glänzende Oberfläche kann jedoch bei Scannern zu Reflexionen führen. Eher für Marketing-Etiketten als für Logistik geeignet.

Vellum (ungestrichenes Papier): Naturbelassenes, mattes Papier ohne Beschichtung. Kostengünstig, aber geringere Druckqualität. Gut für Büroetiketten und einfache Inventarkennzeichnung.

Karton / Tag-Material: Dickeres, robusteres Papier ohne Klebstoff. Wird als Anhänger verwendet, z.B. für Preisschilder oder Warenanhänger. Erhältlich in verschiedenen Grammaturen (150-350 g/m²).

Einsatzbereiche

Versandetiketten (Thermodirekt)
Produktkennzeichnung im Trockenlager
Preisauszeichnung im Einzelhandel
Büroetiketten und Ordnerbeschriftung
Warenanhänger und Hangtags
Regaletiketten und Lagerkennzeichnung

Einschränkungen

Papier ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und mechanischer Belastung. Es quillt bei Nässe auf und reißt bei starker Beanspruchung. Für Außenanwendungen oder raue Umgebungen sind Folienetiketten besser geeignet. Auch für Tiefkühlanwendungen ist Papier nur bedingt geeignet.

Thermodirekt vs. Thermotransfer

Thermopapier (Thermodirekt) verblasst nach wenigen Monaten. Für langlebige Etiketten auf Papier empfiehlt sich der Thermotransferdruck mit Wachsribbon.

Grammatur beachten

Standardetiketten haben 60-80 g/m². Für robustere Anwendungen eignen sich Papiere mit 100-150 g/m². Höhere Grammaturen erfordern angepasste Druckereinstellungen.

Folienetiketten

Kunststofffolien bieten eine deutlich höhere Beständigkeit als Papier. Sie widerstehen Feuchtigkeit, Chemikalien und mechanischer Beanspruchung. Die Wahl des richtigen Folientyps hängt von der spezifischen Anwendung ab.

Polyethylen (PE)

Eigenschaften: Flexibel, dehnbar, weich und anpassungsfähig. Haftet gut auf gewölbten oder unebenen Oberflächen. Gute Chemikalienbeständigkeit gegen Öle und viele Lösungsmittel.

Einsatz: Kosmetikprodukte, Quetschflaschen, flexible Verpackungen, Behälter mit gewölbten Oberflächen. Ideal wenn Konformität (Anschmiegfähigkeit) gefordert ist.

Polypropylen (PP)

Eigenschaften: Formstabil, reißfest, gute Bedruckbarkeit. Widerstandsfähiger als PE, aber weniger flexibel. Beständig gegen Feuchtigkeit und viele Haushaltschemikalien.

Einsatz: Lebensmittelverpackungen, Getränkeflaschen, Haushaltsprodukte, Produktetiketten mit längerer Lebensdauer.

BOPP (biaxial orientiertes Polypropylen)

Eigenschaften: Durch biaxiales Strecken noch stabiler und klarer als normales PP. Kristallklare Optik möglich („No-Label-Look“). Hohe Reißfestigkeit und Dimensionsstabilität.

Einsatz: Premium-Produktetiketten, Kosmetik, Getränke, transparente Etiketten für hochwertige Produkte.

Polyester (PET)

Eigenschaften: Höchste Beständigkeit aller gängigen Kunststoffe. Resistent gegen Chemikalien, Lösungsmittel, UV-Strahlung und extreme Temperaturen. Sehr formstabil und langlebig.

Einsatz: Typenschilder, Industrieanwendungen, Outdoor-Kennzeichnung, Laboretiketten, Automotive, Elektronik. Überall wo maximale Haltbarkeit gefordert ist.

Vinyl (PVC)

Eigenschaften: Sehr flexibel und anpassungsfähig. Gute UV-Beständigkeit und Witterungsbeständigkeit. Erhältlich in vielen Farben und Oberflächenstrukturen.

Einsatz: Outdoor-Schilder, Fahrzeugbeschriftung, Werbeetiketten, Bodenmarkierungen, Sicherheitskennzeichnung.

Polyimid (Kapton)

Eigenschaften: Extreme Hitzebeständigkeit bis +400°C. Resistent gegen Lösungsmittel und Chemikalien. Sehr teuer, aber unersetzlich für Hochtemperaturanwendungen.

Einsatz: Leiterplattenmarkierung, Elektronikfertigung, Hochtemperaturprozesse, Luft- und Raumfahrt.

Temperaturbeständigkeit

Für Tiefkühlanwendungen (bis -40°C) sind spezielle Tiefkühletiketten mit angepasstem Klebstoff erforderlich. Standardetiketten lösen sich bei extremer Kälte oft ab.

Ribbon-Abstimmung

Folienetiketten erfordern immer Harz-Ribbons oder Harz-Wachs-Ribbons. Reine Wachs-Ribbons haften nicht auf Kunststoffoberflächen.

Spezialmaterialien für besondere Anforderungen

Tiefkühletiketten

Spezielle Klebstoffe und Materialien für Temperaturen bis -60°C. Bleiben auch bei Frost haftfähig und lesbar. Für Tiefkühllogistik, Lebensmittelindustrie und Kryolagerung.

Hochtemperaturetiketten

Aus Polyimid oder speziellen PET-Folien. Widerstehen Temperaturen bis +300°C (Polyimid bis +400°C). Für Elektronikfertigung, Lackierprozesse und Backöfen.

Chemisch beständig

PET- oder Polyimid-Etiketten mit Harz-Druck. Resistent gegen Lösungsmittel, Säuren, Laugen und Öle. Für Labor, Chemie und Pharmaindustrie.

UV-beständige Etiketten

Für Außenanwendungen mit direkter Sonneneinstrahlung. Spezielle UV-Lacke oder -Laminierungen schützen den Druck. Haltbar für mehrere Jahre im Freien.

Sicherheitsetiketten

Manipulationssichere Etiketten mit "VOID"-Effekt oder Zerstörungsindikator. Beim Ablösen bleibt sichtbarer Nachweis zurück. Für Garantiesiegel und Originalitätsschutz.

Nachhaltige Etiketten

Aus Recyclingpapier, Graspapier oder biobasierten Kunststoffen. Kompostierbare Varianten verfügbar. Für umweltbewusste Unternehmen und nachhaltige Verpackungen.

Linerless-Etiketten

Ohne Trägermaterial – spart bis zu 40% Material und Abfall. Variable Etikettenlängen möglich. Erfordern spezielle Drucker mit Schneidvorrichtung.

Metallfolie (Aluminium)

Höchste Temperaturbeständigkeit und Langlebigkeit. Für Typenschilder, Sicherheitsanwendungen und extreme Umgebungen. Auch für Laserbeschriftung geeignet.

Textil-Etiketten

Aus Nylon, Polyester oder Satin für Bekleidung. Waschbar und knitterarm. Für Pflegeetiketten, Markenlogos und Größenkennzeichnung in der Textilindustrie.

Klebstoffe

Der Klebstoff bestimmt, wie gut ein Etikett auf der Oberfläche haftet und ob es sich später wieder ablösen lässt. Die Wahl hängt vom Untergrund und den Umgebungsbedingungen ab.

Klebstofftypen

Permanent haftend: Der Standardklebstoff für die meisten Anwendungen. Das Etikett lässt sich nach dem Aufkleben nicht mehr zerstörungsfrei entfernen. Für Produktetiketten, Versand und Kennzeichnungen.

Wiederablösbar (removable): Ermöglicht das rückstandsfreie Entfernen des Etiketts innerhalb einer bestimmten Zeit. Geeignet für temporäre Kennzeichnungen, Mehrwegbehälter oder Preisschilder.

Ultra-permanent (starkhaftend): Für raue, leicht fettige oder strukturierte Oberflächen, bei denen Standardklebstoff nicht ausreichend haftet. Auch für Sicherheitsanwendungen.

Tiefkühlklebstoff: Speziell für niedrige Temperaturen entwickelt. Behält seine Haftkraft auch bei Frost bis -40°C oder tiefer.

Allwetter-/Outdoor-Klebstoff: UV-beständig und wetterfest. Für Außenanwendungen mit Temperaturwechseln und Feuchtigkeit.

Heißsiegelfähig: Verklebt erst bei Erwärmung. Für Etikettiermaschinen mit Heißsiegelung.

Lebensmittelkonform: Zugelassen für direkten oder indirekten Lebensmittelkontakt. Entspricht FDA- und EU-Vorschriften.

Untergrund und Klebstoff

Glatte Oberflächen (Glas, Metall, glatter Kunststoff): Fast alle Klebstoffe funktionieren gut
Strukturierte Oberflächen (Wellpappe, Holz): Starkhaftende Klebstoffe erforderlich
Beschichtete Oberflächen (lackiert, gewachst): Spezielle Haftmittel oder Vorbehandlung nötig
Fettige/ölige Oberflächen: Ultra-permanente Klebstoffe oder Entfettung
HDPE/LDPE-Kunststoffe: Schwer zu bekleben, spezielle Klebstoffe erforderlich

Untergrund beachten

Auf glatten Oberflächen (Glas, Metall) haftet fast jeder Klebstoff gut. Bei strukturierten oder beschichteten Oberflächen ist oft ein stärkerer Klebstoff erforderlich.

Aushärtezeit

Viele Klebstoffe erreichen ihre volle Haftkraft erst nach 24-72 Stunden. Bei kritischen Anwendungen Testverklebungen durchführen.

Farbbänder (Ribbons)

Beim Thermotransferdruck wird die Farbe von einem Farbband (Ribbon) auf das Etikett übertragen. Die Ribbon-Qualität bestimmt maßgeblich die Haltbarkeit und Lesbarkeit des Drucks.

Ribbon-Typen

Wachs-Ribbons (Wax): Kostengünstigste Variante. Gut geeignet für Papieretiketten in Standardanwendungen. Die Drucke sind jedoch empfindlich gegenüber Abrieb, Feuchtigkeit und Chemikalien. Drucktemperatur: niedrig bis mittel.

Wachs-Harz-Ribbons (Wax-Resin): Bieten eine gute Balance zwischen Kosten und Beständigkeit. Geeignet für beschichtete Papiere und manche Folien. Wischfester und chemikalienbeständiger als reine Wachsribbons.

Harz-Ribbons (Resin): Höchste Beständigkeit gegen Chemikalien, Abrieb, Lösungsmittel und extreme Temperaturen. Erforderlich für Folienetiketten und anspruchsvolle Industrieanwendungen. Höhere Drucktemperatur erforderlich.

Near-Edge Ribbons: Speziell für Drucker mit Near-Edge-Druckköpfen. Schnellere Druckgeschwindigkeiten und schärfere Druckbilder möglich. Nur mit kompatiblen Druckern verwendbar.

Ribbon-Farben

Neben Standard-Schwarz sind Farb-Ribbons in Rot, Blau, Grün, Gold, Silber und weiteren Farben erhältlich. Auch Weiß für dunkle Etiketten ist verfügbar. Farbribbons sind meist Harz-basiert und teurer als schwarze Varianten.

Ribbon-Auswahl nach Etikett

Ungestrichenes Papier: Wachs-Ribbon
Gestrichenes Papier: Wachs oder Wachs-Harz-Ribbon
Hochglanzpapier: Wachs-Harz-Ribbon
PE-/PP-Folien: Wachs-Harz oder Harz-Ribbon
PET-Folie: Harz-Ribbon (Premium)
Polyimid: Spezielles Hochtemperatur-Harz-Ribbon

Ribbon und Material abstimmen

Nicht jedes Ribbon funktioniert mit jedem Etikettenmaterial. Harz-Ribbons benötigen beispielsweise mehr Hitze und sind für manche Papiere ungeeignet.

Wicklung beachten

Ribbons gibt es mit Farbseite innen (CSI - Color Side In) oder außen (CSO - Color Side Out). Die richtige Wicklung hängt vom Drucker ab und muss beim Kauf berücksichtigt werden.

Aufbau eines Etiketts

1

Oberfläche / Bedruckschicht

Die bedruckbare Seite des Etiketts. Kann matt, glänzend oder speziell beschichtet sein. Beeinflusst Druckqualität und Lesbarkeit.

2

Trägermaterial (Facestock)

Das eigentliche Etikettenmaterial – Papier, Folie oder Spezialsubstrat. Bestimmt die mechanischen und chemischen Eigenschaften.

3

Klebstoffschicht (Adhesive)

Verbindet das Etikett mit der Oberfläche. Verschiedene Typen für unterschiedliche Anforderungen (permanent, ablösbar, Tiefkühl, etc.).

4

Trennschicht (Release Coating)

Silikonbeschichtung auf dem Liner, ermöglicht das Ablösen des Etiketts ohne Beschädigung des Klebstoffs.

5

Trägerpapier (Liner)

Das Abziehpapier, auf dem die Etiketten bis zur Verwendung haften. Wird nach dem Aufkleben entsorgt (bei Linerless-Etiketten nicht vorhanden).

Materialauswahl: Checkliste

Diese Fragen klären

Welche Temperaturen muss das Etikett aushalten?
Wird das Etikett Feuchtigkeit oder Chemikalien ausgesetzt?
Wie lange muss das Etikett lesbar bleiben?
Auf welchem Untergrund wird das Etikett aufgebracht?
Soll das Etikett wieder ablösbar sein?
Welcher Drucker und welches Druckverfahren wird verwendet?
Gibt es regulatorische Anforderungen (z.B. Lebensmittelkontakt)?

Typische Fehler vermeiden

Thermopapier für langlebige Anwendungen verwenden
Wachs-Ribbon auf Folienetiketten drucken
Standard-Klebstoff bei Tiefkühl oder fettigem Untergrund
Papieretiketten im Außenbereich einsetzen
Klebstoff-Aushärtezeit nicht einplanen
Falsche Ribbon-Wicklung für den Drucker bestellen

Branchenspezifische Empfehlungen

Logistik & Versand

Thermopapier für kurzlebige Versandetiketten, gestrichenes Papier mit Wachs-Ribbon für längerlebige Lageretiketten.

Empfohlen: Thermopapier, gestrichenes Papier

Lebensmittel

PP- oder BOPP-Folien mit lebensmittelkonformem Klebstoff. Tiefkühletiketten für Gefriergut.

Empfohlen: PP, BOPP, Tiefkühlmaterial

Chemie & Labor

PET-Folie mit Harz-Ribbon für maximale Chemikalienbeständigkeit. GHS-konforme Gefahrstoffetiketten.

Empfohlen: PET, Polyimid

Industrie & Fertigung

PET- oder Aluminium-Etiketten für Typenschilder. Hochtemperatur-Polyimid für Elektronikfertigung.

Empfohlen: PET, Aluminium, Polyimid

Kosmetik & Pharma

Hochwertige BOPP-Folien für Premium-Optik. PE-Folien für flexible Tuben und Flaschen.

Empfohlen: BOPP, PE, PP

Outdoor & Automotive

Vinyl oder PET mit UV-Schutz für Außenanwendungen. Laminierung für zusätzlichen Schutz.

Empfohlen: Vinyl, PET, laminiert

barcode-druck.de

Fachportal für Informationen rund um Barcodetypen, Druckverfahren, Materialien und typische Fehlerquellen beim Barcodedruck.

© 2026 barcode-druck.de – Informationsportal für Barcodedruck
Nach oben scrollen