Barcode-Qualitätsprüfung

Wie die Druckqualität von Barcodes geprüft wird, welche Anforderungen in der Praxis gelten und wie Sie Qualitätsmängel frühzeitig erkennen und vermeiden können.

Warum Qualitätsprüfung wichtig ist

Ein Barcode, der mit einem Scanner gelesen werden kann, muss nicht zwingend von hoher Qualität sein. Grenzwertige Codes funktionieren vielleicht unter optimalen Bedingungen, versagen aber bei ungünstigem Lichteinfall, Abnutzung oder anderen Scannern.

Professionelle Qualitätsprüfung stellt sicher, dass gedruckte Barcodes die Anforderungen der jeweiligen Standards erfüllen. Dies ist besonders wichtig im Handel, wo Lieferanten verbindliche Qualitätsvorgaben einhalten müssen.

Die Folgen mangelhafter Barcodequalität können gravierend sein: Lieferrückweisungen, Strafgebühren von Handelspartnern, Produktions- stillstände oder Rückrufaktionen bei sicherheitsrelevanten Produkten.

Kosten mangelhafter Qualität

Handelspartner wie große Einzelhandelsketten können Strafgebühren von 100€ bis 500€ pro fehlerhafter Lieferung erheben. Bei regelmäßigen Verstößen droht sogar der Verlust des Lieferantenstatus.

Präventiv statt reaktiv

Die Investition in Qualitätsprüfung vor der Produktion ist wesentlich günstiger als Nachdrucke, Rückrufaktionen oder Strafzahlungen im Nachhinein.

Prüfgrade A bis F

Die internationale Norm ISO/IEC 15416 (für 1D-Codes) definiert ein Bewertungssystem mit Prüfgraden von A (beste Qualität) bis F (nicht lesbar). Die Bewertung basiert auf mehreren Einzelparametern, die separat gemessen werden.

Grad A (4,0): Optimale Qualität. Hohe Lesezuverlässigkeit auch unter schwierigen Bedingungen wie schlechter Beleuchtung, beschädigten Etiketten oder älteren Scannern.

Grad B (3,0): Gute Qualität. Für die meisten Anwendungen ausreichend. Bietet noch genügend Reserven für Abnutzung und schwankende Lesebedingungen.

Grad C (2,0): Akzeptable Qualität. Mindestanforderung für den Handel (laut GS1-Empfehlung). Sollte als Untergrenze betrachtet werden, nicht als Zielwert.

Grad D (1,0): Grenzwertig. Kann zu Leseproblemen führen und sollte unbedingt vermieden werden. Code funktioniert nur unter idealen Bedingungen.

Grad F (0,0): Nicht normgerecht. Der Barcode erfüllt die Mindestanforderungen nicht und wird in der Praxis häufig nicht erkannt.

Gesamtbewertung verstehen

Der Gesamtgrad eines Barcodes entspricht dem schlechtesten Einzelparameter. Ein Code mit neun A-Werten und einem C erhält insgesamt nur Grad C. Dieses Prinzip stellt sicher, dass keine kritische Schwachstelle übersehen wird.

Empfohlene Mindestgrade nach Branche

  • Einzelhandel (GS1)Grad C (2,0)
  • Automobilindustrie (VDA)Grad B (3,0)
  • Pharma/Medizin (UDI)Grad B (3,0)
  • Luftfahrt (SPEC2000)Grad A (4,0)
  • Prüfparameter im Detail

    Die Qualitätsprüfung analysiert verschiedene Eigenschaften des gedruckten Barcodes. Jeder Parameter wird einzeln bewertet und trägt zum Gesamtergebnis bei. Das Verständnis dieser Parameter hilft bei der Fehleranalyse und Optimierung.

    Symbolkontrast (SC): Misst den Helligkeitsunterschied zwischen den dunkelsten und hellsten Bereichen. Je höher der Kontrast, desto zuverlässiger die Erkennung. Mindestens 70% werden für Grad C benötigt.

    Modulation (MOD): Bewertet die Gleichmäßigkeit des Kontrasts über den gesamten Barcode. Schwankungen entstehen durch ungleichmäßigen Druckauftrag oder Materialinhomogenitäten.

    Defekte (DEF): Erfasst Flecken, Striche oder Lücken, die nicht zum Symbol gehören. Auch kleine Verunreinigungen können als zusätzliche Striche interpretiert werden.

    Dekodierbarkeit (DEC): Prüft, ob die Strich- und Lückenbreiten innerhalb der zulässigen Toleranzen liegen. Kritisch bei Thermodruckern mit abgenutzten Druckköpfen.

    Ruhezone (QZ): Überprüft, ob die freien Bereiche links und rechts des Barcodes ausreichend groß sind – mindestens 10x die Modulbreite.

    Für 2D-Codes

    Für DataMatrix, QR-Codes und andere 2D-Symbole gilt die Norm ISO/IEC 15415. Zusätzliche Parameter wie Axial Non-Uniformity und Grid Non-Uniformity werden bewertet.

    Parameter-Kurzübersicht

    SCHell-Dunkel-Unterschied – beeinflusst durch Druckqualität und Material
    MODGleichmäßigkeit – zeigt Druckkopf-Verschleiß an
    DEFStörungen – Flecken, Kratzer, Staub
    DECMaßhaltigkeit – Toleranzen der Strichbreiten

    Prüfgeräte (Verifier)

    Für die normgerechte Qualitätsprüfung werden spezielle Prüfgeräte – sogenannte Verifier – eingesetzt. Diese unterscheiden sich grundlegend von normalen Scannern und liefern objektive, reproduzierbare Messwerte.

    Unterschied zum Scanner: Ein Scanner beantwortet nur die Frage, ob ein Code lesbar ist – ja oder nein. Ein Verifier analysiert, wie gut der Code ist, identifiziert Schwachstellen und liefert einen detaillierten Prüfbericht mit allen Einzelparametern.

    Stationäre Verifier: Hochpräzise Tischgeräte für die Qualitätssicherung in der Produktion. Sie liefern reproduzierbare Ergebnisse, sind nach ISO kalibriert und eignen sich für die Erstellung von Prüfzertifikaten.

    Mobile Verifier: Handliche Geräte für Stichprobenprüfungen vor Ort, im Wareneingang oder bei Lieferantenaudits. Kompakter und günstiger als stationäre Geräte, aber ebenso normkonform.

    Inline-Verifier: In Produktionslinien integrierte Systeme, die jeden einzelnen gedruckten Barcode in Echtzeit prüfen und fehlerhafte Etiketten automatisch aussortieren oder die Linie stoppen.

    Kalibrierung ist Pflicht

    Verifier müssen regelmäßig mit zertifizierten Testvorlagen kalibriert werden – meist jährlich oder nach Herstellervorgabe. Ohne gültige Kalibrierung sind Messergebnisse nicht anerkannt.

    Investition lohnt sich

    Einsteigergeräte für mobile Prüfung beginnen bei ca. 1.500€. Professionelle stationäre Verifier kosten 3.000–8.000€. Die Investition amortisiert sich schnell durch vermiedene Reklamationen und Strafgebühren.

    Häufige Qualitätsmängel

    Die Qualitätsprüfung deckt typische Druckprobleme auf, die bei der einfachen Sichtkontrolle oder dem Test mit einem Handscanner oft übersehen werden.

    Zu geringer Kontrast: Hellgraue Striche auf beigem oder strukturiertem Untergrund werden vom Auge als lesbar empfunden, fallen aber bei der Prüfung durch. Ursache: falsches Material oder zu geringe Drucktemperatur.

    Verschmierte Kanten: Wenn Tinte oder Toner nicht sauber abgegrenzt sind, entstehen unscharfe Übergänge. Besonders bei Tintenstrahldruckern auf nicht saugfähigen Materialien problematisch.

    Ungleichmäßige Strichbreiten: Schwankungen in der Breite einzelner Striche durch verschlissene Druckköpfe, falsche Geschwindigkeit oder inkonsistenten Anpressdruck.

    Beschädigte Ruhezonen: Grafiken, Rahmen oder Text, die zu nah am Barcode platziert sind, werden als Teil des Symbols interpretiert und stören die Dekodierung.

    Verzerrung und Skalierung: Falsches Größenverhältnis durch unsachgemäße Skalierung in Grafikprogrammen zerstört die definierten Strichbreiten.

    Prüfung vor Freigabe

    Bevor große Etikettenmengen gedruckt werden, sollte unbedingt ein Muster mit einem Verifier geprüft werden. So lassen sich kostspielige Nachdrucke und Lieferverzögerungen vermeiden.

    Checkliste: Fehlerquellen

  • Druckkopf verschlissen oder verschmutzt
  • Falsche Druckgeschwindigkeit eingestellt
  • Material und Farbband nicht kompatibel
  • Barcode in Grafikprogramm verzerrt
  • Ruhezonen nicht eingehalten
  • Zu kleine Modulgröße für Druckverfahren
  • Praktische Tipps für bessere Qualität

    Mit einigen grundlegenden Maßnahmen lässt sich die Barcodequalität erheblich verbessern und dauerhaft auf hohem Niveau halten.

    Regelmäßige Wartung: Druckköpfe und Sensoren sollten nach Herstellervorgabe gereinigt werden. Bei Thermodruckern empfiehlt sich die Reinigung alle 500–1.000 Meter Druckstrecke.

    Richtige Materialwahl: Material und Farbband müssen aufeinander abgestimmt sein. Hochglanz- materialien benötigen andere Farbbänder als matte oder strukturierte Oberflächen.

    Druckparameter optimieren: Temperatur, Geschwindigkeit und Anpressdruck müssen für jede Material-Farbband-Kombination individuell eingestellt werden. Testetiketten drucken und prüfen.

    Stichprobenprüfung einführen: Auch ohne Inline-Verifier sollten regelmäßig Stichproben geprüft werden – mindestens bei Schichtbeginn und nach Materialwechsel.

    Qualitäts-Checkliste

  • Druckkopf vor Schichtbeginn reinigen
  • Musteretiketten nach Materialwechsel prüfen
  • Verifier jährlich kalibrieren lassen
  • Druckeinstellungen dokumentieren
  • Ersatzdruckköpfe vorrätig halten
  • Prüfprotokolle archivieren
  • Dokumentation zahlt sich aus

    Prüfberichte sollten systematisch archiviert werden. Bei Reklamationen oder Audits können Sie so nachweisen, dass die Qualitätsvorgaben eingehalten wurden.

    Qualitätssicherung implementieren

    Eine systematische Qualitätssicherung für Barcodes sollte als fester Bestandteil der Produktionsprozesse etabliert werden – nicht als gelegentliche Kontrolle.

    Verantwortlichkeiten definieren: Legen Sie fest, wer für die Barcodequalität verantwortlich ist, wer Prüfungen durchführt und wer bei Abweichungen entscheidet.

    Prüfintervalle festlegen: Je nach Produktionsvolumen und Risiko: von Stichproben alle 100 Etiketten bis zur 100%-Inline-Prüfung bei sicherheitsrelevanten Produkten.

    Grenzwerte definieren: Welcher Mindestgrad ist akzeptabel? Was passiert bei Unterschreitung? Klare Eskalationswege verhindern Diskussionen.

    Schulungen durchführen: Mitarbeiter sollten verstehen, warum Barcodequalität wichtig ist und wie sie durch ihr Handeln beeinflusst wird.

    Aufbau eines QS-Systems

    1. Anforderungen der Handelspartner ermitteln
    2. Passende Prüfgeräte beschaffen
    3. Prüfprozesse und -intervalle definieren
    4. Verantwortlichkeiten zuweisen
    5. Mitarbeiter schulen
    6. Dokumentationssystem einrichten
    7. Regelmäßige Reviews durchführen

    Zertifizierung als Nachweis

    Für Zulieferer in der Automobil- oder Pharmaindustrie kann eine dokumentierte Barcode-Qualitätssicherung Teil der Lieferantenqualifikation sein.
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