Druckverfahren für Barcodes

Welches Druckverfahren für welchen Einsatzzweck geeignet ist – von der einfachen Bürolösung bis zum industriellen Etikettendruck.

Warum das Druckverfahren entscheidend ist

Die Wahl des Druckverfahrens beeinflusst maßgeblich, wie zuverlässig ein Barcode gelesen werden kann und wie lange er lesbar bleibt. Ein hochwertiger Thermodrucker erzeugt scharfe Kanten und präzise Strichbreiten, während ein einfacher Tintenstrahldrucker unter Umständen unscharfe Ränder produziert.

Neben der Druckqualität spielen auch Faktoren wie Druckgeschwindigkeit, Haltbarkeit der Etiketten und laufende Kosten eine Rolle. Im Büroumfeld genügt oft ein Laserdrucker, während in der Logistik oder Produktion spezialisierte Etikettendrucker erforderlich sind.

Die folgenden Abschnitte stellen die gängigsten Druckverfahren vor und erläutern ihre jeweiligen Stärken und Schwächen.

Thermodirektdruck

Beim Thermodirektdruck wird hitzeempfindliches Papier durch punktuelle Erwärmung geschwärzt. Es wird kein Farbband benötigt, was die laufenden Kosten senkt.

Vorteile

  • Keine Verbrauchsmaterialien außer Papier
  • Geringe Betriebskosten
  • Hohe Druckgeschwindigkeit
  • Wartungsarm
  • Nachteile

    • Etiketten verblassen bei Hitze und Licht
    • Begrenzte Haltbarkeit (Monate)
    • Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit

    Typische Anwendungen

    Versandetiketten, Kassenbons, Eintrittskarten, kurzfristige Lagerkennzeichnungen

    Thermotransferdruck

    Beim Thermotransferdruck wird Farbe von einem Farbband durch Hitze auf das Etikett übertragen. Das Ergebnis sind langlebige, wisch- und kratzfeste Drucke.

    Vorteile

  • Hohe Beständigkeit gegen Hitze und Chemikalien
  • Lange Haltbarkeit (Jahre)
  • Vielseitige Materialauswahl
  • Scharfe, kontrastreiche Drucke
  • Nachteile

    • Höhere Verbrauchskosten durch Farbband
    • Mehr Verbrauchsmaterial zu lagern
    • Ribbon-Wechsel erforderlich

    Typische Anwendungen

    Produktetiketten, Inventaretiketten, Typenschilder, Pharma- und Lebensmittelkennzeichnung

    Inkjetdruck

    Tintenstrahldrucker sprühen feine Tintentröpfchen auf das Trägermaterial. Im Bürobereich weit verbreitet, mit Einschränkungen bei der Präzision.

    Vorteile

  • Günstige Anschaffungskosten
  • Farbdruck möglich
  • Flexible Materialauswahl
  • Im Büro bereits vorhanden
  • Nachteile

    • Tinte kann verlaufen oder verschmieren
    • Weniger scharfe Kanten als Thermo
    • Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit

    Typische Anwendungen

    Kleinauflagen, Büroanwendungen, farbige Etiketten, Versandlabels (bei geringem Volumen)

    Laserdruck

    Laserdrucker fixieren Tonerpulver durch Hitze auf dem Papier. Sie liefern scharfe Druckergebnisse und sind im Büroumfeld eine praktische Lösung.

    Vorteile

  • Scharfe, präzise Druckqualität
  • Schnell bei mittleren Auflagen
  • Toner ist wischfest
  • Im Büro bereits vorhanden
  • Nachteile

    • Nicht für alle Etikettenmaterialien geeignet
    • Hitzeentwicklung kann Folien beschädigen
    • Höherer Energieverbrauch

    Typische Anwendungen

    Büroetiketten, Versandpapiere, Dokumentenkennzeichnung, Selbstklebeetiketten auf Bögen

    Vergleichstabelle: Alle Verfahren im Überblick

    KriteriumThermodirektThermotransferInkjetLaser
    AnschaffungskostenMittelMittel bis hochNiedrigNiedrig bis mittel
    VerbrauchskostenNiedrigMittel (Ribbon)Hoch (Tinte)Mittel (Toner)
    DruckgeschwindigkeitSehr hochHochMittelMittel bis hoch
    HaltbarkeitGering (Monate)Sehr hoch (Jahre)MittelGut
    DruckqualitätGutSehr gutVariabelSehr gut
    FarbdruckNeinEingeschränktJaJa
    MaterialvielfaltGeringSehr hochMittelGering bis mittel

    Entscheidungshilfe: Welches Verfahren wann?

    Versand & E-Commerce

    Für Versandetiketten, die nur wenige Tage benötigt werden, ist Thermodirektdruck die wirtschaftlichste Wahl. Die geringen Verbrauchskosten und hohe Geschwindigkeit machen ihn ideal für hohe Stückzahlen.

    → Empfehlung: Thermodirektdruck

    Produktkennzeichnung & Industrie

    Etiketten, die über Monate oder Jahre lesbar bleiben müssen – etwa auf Maschinen, Chemikalien oder Lebensmitteln – erfordern Thermotransferdruck. Die Kombination mit geeigneten Ribbons und Folien bietet maximale Beständigkeit.

    → Empfehlung: Thermotransferdruck

    Büro & Kleinauflagen

    Für gelegentliche Barcode-Etiketten im Büro genügt oft der vorhandene Laserdrucker. Er liefert scharfe Ergebnisse auf Standard-Etikettenpapier und erfordert keine zusätzliche Investition.

    → Empfehlung: Laserdruck

    Farbige Etiketten & Marketing

    Wenn Logos, farbige Hintergründe oder Grafiken gedruckt werden sollen, ist der Inkjetdruck die flexibelste Option. Für höhere Auflagen bieten sich auch industrielle Farbinkjet-Systeme an.

    → Empfehlung: Inkjetdruck

    Hybride Lösung

    Viele Unternehmen kombinieren zwei Verfahren: Thermodirekt für Versand (hohe Menge, geringe Haltbarkeit) und Thermotransfer für Produktetiketten (längere Lebensdauer).

    Druckauflösung verstehen: dpi im Detail

    Die Druckauflösung wird in dpi (dots per inch) angegeben und beschreibt, wie viele Punkte pro Zoll (2,54 cm) gedruckt werden können. Je höher die Auflösung, desto feiner und schärfer erscheint der Barcode.

    203 dpi

    Standardauflösung für die meisten Anwendungen. Ausreichend für EAN/GTIN, Code 128 und größere QR-Codes.

    Mindest-Modulbreite: ~0,125 mm

    300 dpi

    Empfohlen für kleine Barcodes, DataMatrix-Codes und Pharmaetiketten. Bessere Kantenschärfe.

    Mindest-Modulbreite: ~0,085 mm

    600 dpi

    Höchste Präzision für kleinste Codes, Elektronikkomponenten und hochwertige Grafiken.

    Mindest-Modulbreite: ~0,042 mm

    Wichtig: Eine höhere Auflösung bedeutet nicht automatisch bessere Lesbarkeit. Entscheidend ist, dass die Auflösung zur Barcode-Größe passt. Ein großer Versandetikett-Barcode profitiert kaum von 600 dpi, während ein winziger DataMatrix-Code auf einem Bauteil diese Auflösung benötigt.

    Faustregel

    Für Barcodes mit einer Modulbreite unter 0,2 mm sollte mindestens 300 dpi verwendet werden. Bei sehr kleinen 2D-Codes (unter 5 mm Kantenlänge) empfiehlt sich 600 dpi.

    Farbiger Barcodedruck: Chancen und Risiken

    Barcodes werden traditionell schwarz auf weiß gedruckt, weil dieser Kontrast die beste Lesbarkeit bietet. In der Praxis gibt es jedoch Situationen, in denen farbige Barcodes sinnvoll oder notwendig sind.

    Wann Farbe funktioniert

  • Dunkle Farben auf hellem Grund: Dunkelblau, Dunkelgrün oder Schwarz auf Weiß, Gelb oder Hellbeige funktionieren zuverlässig.
  • Ausreichender Kontrast: Mindestens 70% Kontrastdifferenz zwischen Strichen und Hintergrund.
  • Matte Oberflächen: Glänzende Farben können Reflexionen verursachen, die das Scannen erschweren.
  • Problematische Kombinationen

  • Rot als Strichfarbe: Viele Laserscanner arbeiten mit rotem Licht und können rote Striche nicht erkennen.
  • Rot als Hintergrund: Ebenfalls problematisch für Rot-Laser-Scanner.
  • Gelb oder Orange: Zu wenig Kontrast auf weißem Hintergrund.
  • Pastelltöne: Generell zu geringer Kontrast für zuverlässiges Scannen.
  • Designintegration

    Wenn ein Barcode in ein farbiges Produktdesign integriert werden soll, empfiehlt sich eine weiße Ruhezone (freie Fläche) um den Barcode. Der Barcode selbst sollte schwarz bleiben, auch wenn das restliche Design farbig ist.

    Scanner-Typ beachten

    Moderne 2D-Imager (Kamera-Scanner) sind bei Farbcodes toleranter als klassische Laserscanner. Bei kritischen Anwendungen vorher testen!

    GS1-Empfehlung

    GS1 empfiehlt für EAN/GTIN-Codes: Striche in dunklen Farben (Schwarz, Dunkelblau, Dunkelgrün) und Hintergrund in hellen Farben (Weiß, Gelb, Orange).

    Kostenbetrachtung: Total Cost of Ownership

    Bei der Wahl des Druckverfahrens sollte nicht nur der Anschaffungspreis des Druckers berücksichtigt werden. Die Gesamtbetriebskosten (TCO)über die Lebensdauer des Geräts können ein völlig anderes Bild ergeben.

    Kostenfaktoren im Überblick

    Anschaffung

    • • Druckergerät
    • • Software/Lizenzen
    • • Installation/Schulung

    Verbrauchsmaterial

    • • Etiketten/Papier
    • • Farbbänder (Ribbons)
    • • Tinte/Toner

    Wartung

    • • Druckkopf-Ersatz
    • • Reinigung
    • • Reparaturen

    Betrieb

    • • Energiekosten
    • • Arbeitszeit (Materialwechsel)
    • • Fehldrucke/Ausschuss

    Rechenbeispiel: 10.000 Etiketten/Monat

    KostenartThermodirektThermotransfer
    Drucker (Abschreibung/Jahr)150 €200 €
    Etiketten (pro Jahr)480 €360 €
    Ribbons (pro Jahr)240 €
    Wartung50 €80 €
    Gesamt pro Jahr680 €880 €

    Hinweis: Dieses Beispiel zeigt, dass Thermodirekt bei kurzlebigen Etiketten günstiger ist. Werden jedoch langlebige Etiketten benötigt, relativieren sich die Mehrkosten des Thermotransfers durch den Wegfall von Neudruck oder Reklamationen.

    Versteckte Kosten

    Nicht vergessen: Fehldrucke durch falsches Material, Produktionsausfälle bei Druckerproblemen und Reklamationen wegen unlesbarer Codes können erhebliche Zusatzkosten verursachen.
    barcode-druck.de

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