Die Vielfalt an Barcodetypen hat historische und praktische Gründe. Unterschiedliche Branchen und Anwendungsbereiche haben im Laufe der Zeit eigene Standards entwickelt, die auf ihre spezifischen Anforderungen zugeschnitten sind.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen eindimensionalen (1D) und zweidimensionalen (2D) Codes. Lineare Barcodes wie der EAN-Code bestehen aus parallelen Strichen unterschiedlicher Breite. Zweidimensionale Codes wie QR-Codes oder DataMatrix speichern Informationen sowohl horizontal als auch vertikal und können dadurch deutlich mehr Daten aufnehmen.
Bei der Wahl des passenden Barcodetyps spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die Menge der zu speichernden Daten, der verfügbare Platz, die Scan-Entfernung und natürlich die Branchenanforderungen.
Lineare Barcodes bestehen aus Strichen und Lücken unterschiedlicher Breite. Sie sind die klassischen Strichcodes, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind.
Die European Article Number (EAN) ist der am weitesten verbreitete Barcode im Einzelhandel. Er dient zur eindeutigen Identifikation von Produkten und wird weltweit eingesetzt. Die häufigsten Varianten sind EAN-13 (13 Ziffern) und EAN-8 (8 Ziffern für kleine Verpackungen).

Beispiel: EAN-13 Barcode – der Standard im Einzelhandel
Aufbau: Länderpräfix (2–3 Ziffern), Unternehmensnummer, Artikelnummer und Prüfziffer. Die Struktur ermöglicht eine weltweite Eindeutigkeit der Produktkennzeichnung.
Typische Einsatzbereiche: Produktverpackungen im Einzelhandel, Bücher (ISBN), Zeitschriften (ISSN), Lebensmittel, Drogerieprodukte, Elektronikartikel.
Anforderungen an den Druck: EAN-Codes müssen exakte Maße einhalten. Die Nominalbreite beträgt bei EAN-13 etwa 37,29 mm. Vergrößerungen zwischen 80 % und 200 % sind zulässig. Der Kontrast muss ausreichend hoch sein, und die Ruhezonen (Quiet Zones) links und rechts des Codes dürfen nicht bedruckt werden.
Der Universal Product Code (UPC) ist das amerikanische Pendant zum EAN-Code und wurde bereits 1974 eingeführt – als erster Barcode, der an einer Kasse gescannt wurde (auf einer Packung Kaugummi!). Er besteht aus 12 Ziffern und ist der Vorgänger des heutigen EAN-Systems.
Varianten: UPC-A (12 Ziffern, Standard), UPC-E (komprimiert, 6 Ziffern für kleine Produkte). UPC und EAN sind heute kompatibel – ein UPC-A wird als EAN-13 mit führender Null gelesen.
Typische Einsatzbereiche: Konsumgüter in Nordamerika, Import/Export zwischen USA und Europa, Lebensmittel, Haushaltsprodukte.
Anforderungen an den Druck: Identisch zum EAN-Code. Mindeststrichbreite, korrekte Hellzonen und hoher Kontrast sind essenziell.
Code 128 ist ein sehr effizienter linearer Barcode, der alle 128 ASCII-Zeichen darstellen kann – Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen. Er bietet eine hohe Datendichte und ist damit einer der platzsparendsten 1D-Codes.
Zeichensätze: Code 128 existiert in drei Subsets: Code 128A (Großbuchstaben + Steuerzeichen), Code 128B (Groß- und Kleinbuchstaben), Code 128C (nur Ziffern, paarweise codiert – besonders kompakt).
Typische Einsatzbereiche: Versandetiketten, Lagerlogistik, Stückgut-Identifikation, Seriennummern, Produktionssteuerung, interne Kennzeichnungen in Unternehmen.
Anforderungen an den Druck: Die Mindesthöhe sollte 15 % der Barcodelänge betragen, mindestens jedoch 5 mm. Bei variablen Inhalten (fortlaufende Nummern) muss die Druckqualität konstant bleiben. Ruhezonen: mindestens 10× Modulbreite.
Code 39 war einer der ersten alphanumerischen Barcodes und ist bis heute weit verbreitet. Er kann 43 Zeichen darstellen: Großbuchstaben A–Z, Ziffern 0–9 und sieben Sonderzeichen (- . $ / + % und Leerzeichen).
Aufbau: Jedes Zeichen besteht aus 9 Elementen (5 Striche, 4 Lücken), wobei genau 3 breit sind – daher der Name „Code 3 of 9". Start- und Stoppzeichen sind Asteriske (*).
Typische Einsatzbereiche: US-Verteidigungsministerium (MIL-STD-1189), Automobilindustrie (AIAG-Standard), Gesundheitswesen, Bibliotheken, ID-Karten.
Anforderungen an den Druck: Code 39 benötigt mehr Platz als Code 128, da jedes Zeichen einzeln kodiert wird. Empfohlenes Verhältnis von breiten zu schmalen Elementen: 3:1 oder 2,5:1.
Code 93 wurde als kompaktere Alternative zu Code 39 entwickelt. Er bietet den gleichen Zeichensatz, kodiert die Daten aber etwa 25 % dichter und enthält zwei Prüfzeichen für höhere Sicherheit.
Vorteile gegenüber Code 39: Höhere Datendichte, doppelte Prüfsumme, geringere Fehleranfälligkeit bei automatischer Verarbeitung.
Typische Einsatzbereiche: Logistik (Kanada Post), militärische Anwendungen, Fertigungsindustrie, überall wo Code 39 zu viel Platz benötigt.
Anforderungen an den Druck: Schmales Element: mindestens 0,19 mm. Das Breit-zu-schmal-Verhältnis ist fest auf 3:1 definiert.
ITF ist ein rein numerischer Barcode, bei dem jeweils zwei Ziffern ineinander verschachtelt (interleaved) werden: eine in den Strichen, eine in den Lücken. Dadurch ist er sehr platzsparend für Zahlendaten.
ITF-14: Die wichtigste Variante für Umverpackungen im Handel. Er besteht aus 14 Ziffern und wird oft mit einem Rahmen (Bearer Bars) gedruckt, der die Lesbarkeit verbessert.
Typische Einsatzbereiche: Außenverpackungen, Kartons, Paletten, Logistik-Umverpackungen im Großhandel, Warengruppen-Kennzeichnung.
Anforderungen an den Druck: Robuster als EAN, daher für Wellpappe und raue Oberflächen geeignet. Rahmen erhöht Toleranz gegenüber Druckabweichungen. Muss immer eine gerade Anzahl Ziffern haben.
Codabar wurde in den 1970er Jahren entwickelt und ist einer der ältesten Barcodes. Er kann Ziffern 0–9 und sechs Sonderzeichen (- $ : / . +) darstellen. Vier verschiedene Start-/Stopp-Zeichen (A, B, C, D) ermöglichen Variationen.
Besonderheit: Einfache Druckbarkeit mit Nadeldruckern und robuste Lesbarkeit machten Codabar lange zum Standard in Blutbanken und Bibliotheken.
Typische Einsatzbereiche: Blutbankwesen (historisch), Bibliotheken (historisch), Overnight-Lieferdienste wie FedEx, Photo-Labore, ältere Archiv-Systeme.
Anforderungen an den Druck: Relativ tolerant gegenüber Druckschwankungen. Breit-zu-schmal-Verhältnis: 3:1 empfohlen.
Application Identifiers (Beispiele):
Typische Einsatzbereiche: Logistiketiketten, Lebensmittel mit MHD-Kennzeichnung, Pharmazeutische Produkte, Palettenware, Rückverfolgbarkeit in der Supply Chain.
Anforderungen an den Druck: Wie Code 128, aber oft mit Klartextzeile unter dem Barcode, die AIs in Klammern zeigt. Die Barcode-Höhe sollte mindestens 32 mm betragen.
Varianten:
Typische Einsatzbereiche: Obst und Gemüse (lose Ware), Fleisch mit variablem Gewicht, Coupons, Rabattmarken, kleine Kosmetikprodukte.
Anforderungen an den Druck: Sehr kompakt, aber anspruchsvoll zu drucken. Moderne Kassensysteme benötigen 2D-fähige Scanner.
MSI Plessey ist ein numerischer Barcode, der vor allem in der Supermarkt-Regalbeschriftung und für Inventurzwecke eingesetzt wurde. Er kann nur Ziffern 0–9 darstellen.
Aufbau: Jede Ziffer wird durch 4 binäre Elemente dargestellt. Verschiedene Prüfsummen-Algorithmen sind möglich (Modulo 10, Modulo 11, oder Kombinationen davon).
Typische Einsatzbereiche: Lagerbestandsführung, Regalbeschriftung in Supermärkten, Büchereien (historisch), Behälter-Kennzeichnung in Produktion.
Anforderungen an den Druck: Einfach zu drucken, aber geringe Datensicherheit ohne Prüfziffer. Heute weitgehend durch modernere Codes abgelöst.
Der Pharmacode wurde speziell für die pharmazeutische Verpackungsindustrie entwickelt. Er ist binär aufgebaut und extrem tolerant gegenüber Druckfehlern – kann von links nach rechts und von rechts nach links gelesen werden.
Besonderheit: Kann Zahlen von 3 bis 131.070 darstellen und dient primär der Verpackungskontrolle (richtige Verpackung zum richtigen Produkt), nicht der Produktidentifikation.
Typische Einsatzbereiche: Pharmazeutische Verpackungslinien, Qualitätskontrolle bei der Abfüllung, Verwechslungsschutz zwischen ähnlichen Produkten.
Anforderungen an den Druck: Sehr tolerant. Schmale Striche repräsentieren „1", breite Striche „2". Keine Lücken-Kodierung.
Wichtige Formate:
Typische Einsatzbereiche: Briefsortieranlagen, Pakettrackverfolgung, Sendungsverfolgung, Zustellprozess-Optimierung.
Anforderungen an den Druck: Postalische Barcodes werden oft direkt auf Briefe gedruckt, daher ist Fluoreszenz-Tinte üblich. Höhengenauigkeit ist kritischer als Breite.
2D-Codes speichern Daten in der Fläche statt nur in einer Linie. Sie bieten höhere Kapazitäten und eingebaute Fehlerkorrektur.
Kapazität: Bis zu 7.089 numerische Zeichen, 4.296 alphanumerische Zeichen oder 2.953 Bytes. Unterstützt auch Kanji/Kana-Zeichen.
Fehlerkorrektur-Level:
Typische Einsatzbereiche: Website-Links, Visitenkarten (vCard), Ticketing, Mobile Payment (PayPal, Alipay), Corona-Impfzertifikate, Speisekarten, Produktinformationen.
Anforderungen an den Druck: Modulgröße mindestens 0,25 mm. Hoher Kontrast erforderlich. Quiet Zone: 4 Module breit. Logos in der Mitte möglich bei höherer Fehlerkorrektur (H).
Kapazität: Bis zu 3.116 numerische oder 2.335 alphanumerische Zeichen. Die quadratischen Formate reichen von 10×10 bis 144×144 Module.
GS1 DataMatrix: Mit Application Identifiers für strukturierte Daten wie GTIN, Seriennummer, MHD – der Standard in der Pharmaindustrie.
Typische Einsatzbereiche: Elektronische Bauteile (Direct Part Marking), Medizinprodukte, Pharma-Verpackungen (EU-Fälschungsschutzrichtlinie), Automobilindustrie, Werkzeug-Kennzeichnung, Raumfahrt.
Anforderungen an den Druck: Kann extrem klein gedruckt werden – teilweise nur 2-3 mm Kantenlänge. Lasergravur, Nadelprägung und Ätzung möglich. Fehlerkorrektur nach Reed-Solomon-Algorithmus bis 30 %.
Kapazität: Bis zu 1.850 alphanumerische Zeichen oder 2.710 numerische Zeichen. Kann auch binäre Daten wie Bilder speichern.
Besonderheit: „Macro PDF417″ ermöglicht die Verknüpfung mehrerer Codes für noch größere Datenmengen.
Typische Einsatzbereiche: Ausweisdokumente (Führerschein USA, Personalausweis vieler Länder), Flugtickets (IATA-Bordkarten), Versandetiketten, Gefahrgutdokumentation.
Anforderungen an den Druck: Höhe skalierbar. Mindesthöhe pro Zeile: 3× Modulbreite. Die gestapelte Struktur ist auch mit 1D-Laserscannern zeilenweise lesbar.
Kapazität: Bis zu 3.832 numerische oder 3.067 alphanumerische Zeichen. 32 verschiedene Größen von 15×15 bis 151×151 Module.
Vorteile: Keine Quiet Zone nötig, kompakter als QR bei kleinen Datenmengen, robust gegen partielle Beschädigung.
Typische Einsatzbereiche: Bahntickets (Deutsche Bahn, Schweizer Bahnen, Eurostar), Flugtickets, mobile Tickets, Online-Banking-Verifikation.
Anforderungen an den Druck: Keine Quiet Zone erforderlich, daher ideal wenn Platz knapp ist. Fehlerkorrektur von 5 % bis 95 % wählbar.
Aufbau: Feste Größe von 1 Zoll × 1 Zoll (25,4 mm). Besteht aus 866 hexagonalen Modulen in einem Raster von 33 Reihen.
Kapazität: 93 alphanumerische Zeichen im Primärfeld, etwa 47 Zeichen im Sekundärfeld. Maximal rund 140 Zeichen insgesamt.
Typische Einsatzbereiche: UPS-Paketdienst (weltweit), andere Expressdienste, Hochgeschwindigkeits-Sortieranlagen, internationale Pakete.
Anforderungen an den Druck: Feste Größe, keine Skalierung möglich. Druckauflösung mindestens 300 dpi. Fehlerkorrektur ermöglicht Lesbarkeit bei bis zu 25 % Beschädigung.
Besonderheit: Neben alphanumerischen Daten kann Han Xin chinesische Zeichen (GB 18030) besonders effizient kodieren – doppelt so platzsparend wie QR-Code für chinesischen Text.
Kapazität: Bis zu 7.827 numerische Zeichen, 4.350 alphanumerische Zeichen oder 3.261 chinesische Schriftzeichen.
Typische Einsatzbereiche: Chinesische Verwaltungsdokumente, chinesische Postsendungen, Produktkennzeichnung in China, Regierungsanwendungen.
Anforderungen an den Druck: 23 verschiedene Größen von Version 1 bis 84. Fehlerkorrektur auf 4 Levels. Quiet Zone: 1 Modul.
Besonderheit: Variable Größe und Form – der Code passt sich dem verfügbaren Platz an. Ideal für Inkjet-Drucker, die während der Produktion direkt auf Produkte drucken.
Kapazität: Bis zu 450 alphanumerische Zeichen oder 900 numerische Zeichen. Unterstützt GS1 Application Identifiers.
Typische Einsatzbereiche: Tabakprodukte (EU-Rückverfolgbarkeit), Pharma-Verpackungen, Getränkedosen, Lebensmittelverpackungen, High-Speed-Produktionslinien.
Anforderungen an den Druck: Optimiert für CIJ-Drucker (Continuous Inkjet). Punkte statt Module – robuster bei hohen Druckgeschwindigkeiten und auf schwierigen Oberflächen.
Farbpalette: Standard 8 Farben (Cyan, Magenta, Yellow, Black, White, Red, Green, Blue). Jede Zelle kodiert 3 Bit statt 1 Bit.
Kapazität: Etwa dreimal so viel Daten wie ein vergleichbarer QR-Code. Mehrere primäre und sekundäre Symbole können verknüpft werden.
Typische Einsatzbereiche: Ausweisdokumente mit hohem Datenbedarf, Zertifikate, medizinische Dokumente, überall wo Farbdruck verfügbar ist und Platz knapp.
Anforderungen an den Druck: Hochwertiger Farbdruck erforderlich. Kamera-Scanner mit Farbunterscheidung nötig. Robust gegen Farbverschiebungen durch adaptive Dekodierung.
Semacode ist ein Markenname für DataMatrix-Codes, die speziell für mobile Anwendungen optimiert sind. Die Firma Semacode Corp. prägte den Begriff für die Nutzung von 2D-Codes mit Handy-Kameras.
Technisch: Identisch mit DataMatrix ECC 200, aber mit Fokus auf URL-Verknüpfungen und Mobile Tagging.
Typische Einsatzbereiche: Ähnlich wie QR-Codes – Web-Links, Visitenkarten, Plakate, Printmedien.
Historische Bedeutung: Semacode war Vorreiter des Mobile Tagging, bevor QR-Codes populär wurden. Heute hat der QR-Code die Semacode-Nutzung weitgehend abgelöst.
| Anwendung | Empfohlener Code | Alternative |
|---|---|---|
| Einzelhandel (Kasse) | EAN-13 / UPC-A | GS1 DataBar |
| Logistik / Versand | GS1-128 | Code 128 |
| Umverpackungen | ITF-14 | GS1-128 |
| Medizinprodukte | GS1 DataMatrix | GS1-128 |
| Pharma / Arzneimittel | DataMatrix | GS1-128 |
| Marketing / Mobile | QR-Code | DataMatrix |
| Tickets / Fahrkarten | Aztec Code | QR-Code / PDF417 |
| Ausweisdokumente | PDF417 | QR-Code |
| Elektronik (DPM) | DataMatrix | QR-Code (Micro) |
| Paketdienste | MaxiCode (UPS) | Code 128 |
| Industrie intern | Code 39 / Code 128 | DataMatrix |
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