Typische Fehler beim Barcodedruck

Warum Barcodes oft nicht gelesen werden, welche Ursachen sich dahinter verbergen und wie Sie Probleme systematisch beheben.

Warum Barcodes oft nicht erkannt werden

Wenn ein Scanner einen Barcode nicht lesen kann, liegt die Ursache selten am Gerät selbst. Viel häufiger sind Druckfehler, ungeeignete Materialien oder falsche Abmessungen verantwortlich. Die gute Nachricht: Die meisten Probleme lassen sich vermeiden, wenn man die typischen Fehlerquellen kennt.

Die folgenden Abschnitte beschreiben die häufigsten Ursachen für Scanprobleme – praxisnah und mit konkreten Lösungsansätzen. Von Druckeinstellungen über Materialwahl bis hin zu Software-Fehlern decken wir alle relevanten Bereiche ab.

Wichtig: Ein Barcode, der "irgendwie funktioniert", ist nicht gut genug. Grenzwertige Codes fallen unter ungünstigen Bedingungen aus – etwa bei schlechter Beleuchtung, abgenutzten Etiketten oder älteren Scannern.

Schnell-Diagnose: Wo liegt das Problem?

  • Gar nicht lesbar: Meist Kontrast, Größe oder Ruhezonen
  • Nur manchmal lesbar: Oft Druckqualität oder Material
  • Falsche Daten: Software- oder Generierungsfehler
  • Nach Zeit unleserlich: Material oder Umwelteinflüsse
  • Systematisch vorgehen

    Testen Sie zuerst mit einem frisch gedruckten Etikett und einem bekannt funktionierenden Scanner. So grenzen Sie ein, ob das Problem beim Druck oder bei der Nutzung liegt.

    Fehler bei Druckeinstellungen

    Falsche Druckereinstellungen sind die häufigste Ursache für Barcodeprobleme. Selbst kleine Abweichungen können die Lesbarkeit erheblich beeinträchtigen.

    Falsche Drucktemperatur

    Bei Thermodruckern ist die Temperatur entscheidend. Zu niedrig: Der Barcode wird blass und kontrastarm. Zu hoch: Die Striche "bluten aus" und werden breiter als vorgesehen, was die Dekodierung stört.

    Symptome: Blasse Striche, unscharfe Kanten, Striche unterschiedlicher Breite, verschmierte Übergänge.

    Lösung: Temperatur in kleinen Schritten anpassen (meist 1-3 Punkte). Testdrucke machen und mit Verifier prüfen. Für jede Material-Farbband-Kombination optimieren.

    Falsche Druckgeschwindigkeit

    Höhere Geschwindigkeit bedeutet weniger Zeit für den Wärmeübertrag. Das führt zu schwächerem Druck und kann die Barcodequalität drastisch verschlechtern.

    Symptome: Ungleichmäßige Druckdichte, horizontale Streifen, teilweise fehlende Bereiche, schwankende Qualität.

    Lösung: Geschwindigkeit reduzieren, insbesondere bei detailreichen Codes. Alternativ: Temperatur erhöhen (mit Vorsicht). Bei kritischen Anwendungen: Qualität vor Geschwindigkeit.

    Falscher Anpressdruck

    Der Druckkopf muss gleichmäßig auf das Material drücken. Zu wenig Druck führt zu blassen Bereichen, zu viel Druck zu Verzerrungen und vorzeitigem Verschleiß.

    Symptome: Eine Seite des Etiketts heller als die andere, vertikale Streifen, ungleichmäßige Schwärzung, vorzeitiger Druckkopfverschleiß.

    Lösung: Druckkopf-Balance prüfen. Bei den meisten Druckern einstellbar über Mechanik oder Software. Regelmäßig Testdrucke über die gesamte Etikettenbreite prüfen.

    Verschmutzter oder defekter Druckkopf

    Druckköpfe verschleißen und verschmutzen. Ablagerungen von Klebstoff, Staub oder Farbresten führen zu Aussetzern. Defekte Heizelemente erzeugen weiße Linien im Barcode.

    Symptome: Durchgehende weiße Linien (immer an der gleichen Stelle), fleckige Druckqualität, zunehmende Verschlechterung.

    Lösung: Regelmäßige Reinigung mit Isopropanol-Tüchern (alle 500-1000m Druckstrecke). Bei weißen Linien: Druckkopf austauschen. Ersatzköpfe vorrätig halten.

    Fehler bei Material & Farbband

    Die Kombination aus Etikettenmaterial und Farbband muss stimmen. Inkompatible Materialien führen zu schlechter Haftung, mangelndem Kontrast oder schnellem Verblassen.

    Falsche Material-Farbband-Kombination

    Wachs-Farbbänder funktionieren auf Papier, nicht auf Kunststoff. Harz-Farbbänder sind für Folien, haften aber schlecht auf unbeschichtetem Papier. Die falsche Kombination führt zu abreibbaren oder unscharfen Barcodes.

    Symptome: Farbe lässt sich abreiben, Druck wirkt "stumpf", schlechte Kantenschärfe, Farbe löst sich bei Berührung.

    Lösung: Wachs für Papier, Wachs/Harz für beschichtete Materialien, Harz für Folien. Im Zweifel: Beim Lieferanten nachfragen oder Testmuster anfordern.

    Glänzende oder strukturierte Oberflächen

    Hochglanz-Etiketten reflektieren das Scannerlicht und verursachen Leseprobleme. Stark strukturierte Oberflächen (Leinen, Karton) führen zu ungleichmäßigem Druck.

    Symptome: Barcode lesbar bei bestimmten Winkeln, aber nicht bei anderen. Unterbrochene Striche bei rauem Material.

    Lösung: Matte Etiketten bevorzugen. Bei Hochglanz: Barcode-Bereich mattieren oder matte Überdrucklackierung verwenden. Bei rauem Material: Größere Modulbreite.

    Thermodirekt bei falscher Anwendung

    Thermodirekt-Etiketten (ohne Farbband) reagieren auf Wärme, Licht und Chemikalien. Im Außeneinsatz oder bei langer Lagerung verblassen sie schnell und werden unlesbar.

    Symptome: Barcode wird mit der Zeit immer heller, braune Verfärbungen, schwarze Flecken bei Hitzeeinwirkung.

    Lösung: Thermodirekt nur für kurzlebige Anwendungen (Versand, Kasse). Für dauerhafte Kennzeichnung: Thermotransfer mit passendem Farbband verwenden.

    Falsche Materialausrichtung

    Material und Farbband haben eine "richtige" Seite. Falsch eingelegtes Farbband überträgt keine Farbe, falsch eingelegte Etiketten führen zu Druckausfällen.

    Symptome: Gar kein Druck sichtbar, Farbband läuft durch ohne Farbübertrag, Druck auf Trägermaterial statt Etikett.

    Lösung: Farbband-Ausrichtung prüfen (beschichtete Seite nach unten). Etiketten-Laufrichtung beachten. Im Zweifel: "Klebetest" – Farbband an Etikett drücken.

    Fehler bei der Barcode-Gestaltung

    Viele Probleme entstehen bereits bei der Erstellung des Barcodes – lange bevor überhaupt gedruckt wird. Falsche Größen, fehlende Ruhezonen oder unsachgemäße Skalierung sind häufige Ursachen.

    Barcode zu klein gedruckt

    Jeder Barcodetyp hat eine Mindestgröße, die nicht unterschritten werden sollte. Bei zu kleinen Codes können Scanner die einzelnen Striche nicht mehr unterscheiden. Besonders kritisch bei günstigen Druckern mit geringerer Auflösung.

    Mindestgrößen: EAN-13 bei 80% = 29,8mm breit. Code 128 variiert nach Inhalt. DataMatrix: Modulgröße mindestens 0,5mm für Druck.

    Lösung: Die Vorgaben des jeweiligen Standards beachten. Im Zweifel: Größer drucken. Für kleine Codes: DataMatrix verwenden.

    Fehlende oder zu kleine Ruhezonen

    Die Ruhezone ist der freie Bereich links und rechts (bzw. rundum bei 2D-Codes). Wird dieser bedruckt oder ist zu klein, kann der Scanner Anfang und Ende des Codes nicht erkennen.

    Richtwerte: EAN: mind. 3,63mm pro Seite. Code 128: 10x Modulbreite. DataMatrix/QR: mind. 1x Modulgröße (besser 2-3x).

    Lösung: Ruhezonen bereits im Layout einplanen. Keine Rahmen, Linien oder Text in die Ruhezone. Etikettenrand = Ruhezone ist ein Irrglaube.

    Falsche Skalierung

    Barcodes in Grafikprogrammen zu skalieren zerstört die exakten Strichbreiten. Auch das Verzerren (unterschiedliche X/Y-Skalierung) macht Codes unlesbar.

    Symptome: Dekodierung schlägt fehl, falscher Inhalt wird gelesen, ungleichmäßige Strichbreiten bei Verifier-Prüfung.

    Lösung: Barcodes immer in der Zielgröße generieren. Niemals nachträglich skalieren. Vektorformate (EPS, PDF) verwenden, keine Bitmaps.

    Schlechte Farbwahl

    Nicht alle Farbkombinationen funktionieren. Rot auf Weiß wird von vielen Rot-Licht-Scannern nicht erkannt. Gelb, Orange und Pastelltöne bieten zu wenig Kontrast.

    Problematische Farben: Rot, Orange, Gelb, Hellgrün für Striche. Dunkle Hintergründe. Metallicfarben.

    Lösung: Schwarz auf Weiß ist optimal. Akzeptabel: Dunkelblau, Dunkelgrün, Schwarz auf Gelb. Im Zweifel: Imager-Scanner verwenden (erkennt mehr Farben).

    Fehler bei Software & Daten

    Auch korrekt gedruckte Barcodes können falsche oder ungültige Daten enthalten. Diese Fehler sind besonders tückisch, weil der Code lesbar erscheint, aber falsches liefert.

    Falsche Prüfziffer

    EAN, GTIN und viele andere Codes haben eine Prüfziffer. Wird diese falsch berechnet (z.B. durch manuelle Eingabe), erkennt der Scanner den Code als ungültig.

    Symptome: Scanner piept Fehler, "ungültiger Barcode" Meldung, Code wird abgelehnt aber sieht korrekt aus.

    Lösung: Prüfziffer immer automatisch berechnen lassen. Niemals manuell eingeben. Online-Prüfziffer-Rechner zum Verifizieren nutzen.

    Falscher Barcode-Typ

    Nicht jeder Code-Typ kann alle Zeichen darstellen. Code 39 kann kein Kleinbuchstaben, EAN nur Ziffern. Die falsche Wahl führt zu Generierungsfehlern oder verfälschten Daten.

    Symptome: Fehlermeldung bei Generierung, Zeichen werden "verschluckt", Scanner zeigt anderen Inhalt als erwartet.

    Lösung: Code-Typ passend zum Dateninhalt wählen. Für alphanumerisch: Code 128. Für nur Zahlen: Code 128 oder EAN. Für viele Daten: DataMatrix oder QR.

    Ungültige oder doppelte Nummern

    GTINs ohne gültige GS1-Lizenz, doppelt vergebene Artikelnummern oder bereits verwendete Seriennummern verursachen Probleme in Warenwirtschaft und Handel.

    Symptome: Artikel wird falsch erkannt, Bestandsfehler, Handelsparter lehnt Lieferung ab, Securpharm-Verifizierung schlägt fehl.

    Lösung: GTINs nur von GS1 oder autorisierten Anbietern beziehen. Interne Nummern zentral verwalten. Seriennummern automatisch generieren, nie manuell vergeben.

    Kodierungsprobleme (Zeichensatz)

    Sonderzeichen, Umlaute oder nicht-lateinische Schrift können je nach Software und Barcode-Typ zu Problemen führen. UTF-8 vs. ASCII-Konflikte sind häufig.

    Symptome: Umlaute werden zu kryptischen Zeichen, Sonderzeichen fehlen, Daten sind "kaputt" nach dem Scannen.

    Lösung: Auf Sonderzeichen verzichten wenn möglich. Bei QR/DataMatrix: UTF-8 explizit aktivieren. Daten nach dem Scannen prüfen, nicht nur vor dem Druck.

    Fehler beim Scannen & Umgebung

    Manchmal ist der Barcode perfekt, aber die Scan-Situation nicht. Falsche Winkel, Abstände oder Umgebungsbedingungen können das Lesen unmöglich machen.

    Falscher Leseabstand oder -winkel

    Jeder Scanner hat einen optimalen Leseabstand. Zu nah oder zu weit weg: kein Scan. Bei glänzenden Oberflächen kann auch der Winkel entscheidend sein.

    Symptome: Scanner "findet" den Code nicht, Scan funktioniert nur bei bestimmter Entfernung, Reflexionen bei Hochglanz.

    Lösung: Optimalen Leseabstand im Scanner-Handbuch nachschlagen. Bei Reflexionen: Winkel anpassen oder matte Etiketten verwenden.

    Scanner unterstützt Code-Typ nicht

    Ältere Laser-Scanner können keine 2D-Codes lesen. Manche Scanner sind für bestimmte Code-Typen nicht konfiguriert oder unterstützen sie hardwareseitig nicht.

    Symptome: Bestimmte Codes werden ignoriert, Scanner piept nicht mal, andere Codes funktionieren aber.

    Lösung: Scanner-Dokumentation prüfen. Konfiguration anpassen (Code-Typen aktivieren). Bei 2D-Codes: Imager erforderlich, kein Laser.

    Beschädigte oder verschmutzte Etiketten

    Kratzer, Schmutz, Feuchtigkeit oder abgeriebene Bereiche machen Barcodes unlesbar. Besonders kritisch bei Etiketten, die viel angefasst werden.

    Symptome: Code war lesbar, ist es jetzt nicht mehr. Sichtbare Beschädigungen. Funktioniert bei manchen Exemplaren.

    Lösung: Schutzlaminierung verwenden. Etikettenposition wählen, die wenig Abrieb erfährt. Bei Verschmutzung: Reinigen oder ersetzen.

    Extreme Umgebungsbedingungen

    Sehr hohe oder niedrige Temperaturen, starke UV-Strahlung, Chemikalien oder Feuchtigkeit können Etiketten und Barcodes schnell zerstören.

    Symptome: Verfärbungen, Ablösungen, verblasster Druck, aufgerollte Etiketten, Kleber versagt.

    Lösung: Material passend zur Umgebung wählen. Für Außen/Industrie: Polyester-Etiketten mit Harz-Farbband. Für Tiefkühlung: Spezialklebstoffe.

    Systematische Fehlersuche

    Wenn ein Barcode nicht funktioniert, gehen Sie systematisch vor. Ändern Sie nie mehrere Dinge gleichzeitig – sonst wissen Sie nicht, was das Problem gelöst hat.

    Schritt 1: Prüfen Sie mit bloßem Auge – sind Striche gleichmäßig, Kontrast gut, Ruhezonen frei?

    Schritt 2: Testen Sie mit einem anderen Scanner oder einer Smartphone-App – liegt es am Scan-Gerät?

    Schritt 3: Drucken Sie ein frisches Etikett – liegt es an Verschleiß oder Beschädigung?

    Schritt 4: Prüfen Sie die Druckeinstellungen – hat jemand etwas verstellt?

    Schritt 5: Im Zweifel: Mit Verifier messen – objektive Qualitätsdaten statt Raten.

    Erste-Hilfe-Checkliste

  • Druckkopf gereinigt?
  • Material und Farbband kompatibel?
  • Farbband richtig herum eingelegt?
  • Temperatur/Geschwindigkeit geprüft?
  • Barcode-Größe ausreichend?
  • Ruhezonen eingehalten?
  • Scanner für Code-Typ geeignet?
  • Prüfziffer korrekt berechnet?
  • Dokumentieren Sie Lösungen

    Wenn Sie ein Problem gefunden haben, notieren Sie die Lösung. Erstellen Sie eine "Wissensdatenbank" für wiederkehrende Probleme – das spart Zeit bei der nächsten Störung.

    Checkliste: Fehler vermeiden

  • Barcodegröße entspricht den Standardvorgaben
  • Ausreichender Kontrast zwischen Strichen und Hintergrund
  • Material und Druckverfahren sind aufeinander abgestimmt
  • Ruhezonen links und rechts sind nicht bedruckt
  • Druckqualität ist gleichmäßig und scharf
  • Drucktemperatur und -geschwindigkeit sind optimiert
  • Druckkopf ist sauber und intakt
  • Prüfziffer wird automatisch berechnet
  • Barcode wurde in Zielgröße generiert, nicht skaliert
  • Scanner ist für den verwendeten Codetyp geeignet
  • barcode-druck.de

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