Wenn ein Scanner einen Barcode nicht lesen kann, liegt die Ursache selten am Gerät selbst. Viel häufiger sind Druckfehler, ungeeignete Materialien oder falsche Abmessungen verantwortlich. Die gute Nachricht: Die meisten Probleme lassen sich vermeiden, wenn man die typischen Fehlerquellen kennt.
Die folgenden Abschnitte beschreiben die häufigsten Ursachen für Scanprobleme – praxisnah und mit konkreten Lösungsansätzen. Von Druckeinstellungen über Materialwahl bis hin zu Software-Fehlern decken wir alle relevanten Bereiche ab.
Wichtig: Ein Barcode, der "irgendwie funktioniert", ist nicht gut genug. Grenzwertige Codes fallen unter ungünstigen Bedingungen aus – etwa bei schlechter Beleuchtung, abgenutzten Etiketten oder älteren Scannern.
Falsche Druckereinstellungen sind die häufigste Ursache für Barcodeprobleme. Selbst kleine Abweichungen können die Lesbarkeit erheblich beeinträchtigen.
Bei Thermodruckern ist die Temperatur entscheidend. Zu niedrig: Der Barcode wird blass und kontrastarm. Zu hoch: Die Striche "bluten aus" und werden breiter als vorgesehen, was die Dekodierung stört.
Symptome: Blasse Striche, unscharfe Kanten, Striche unterschiedlicher Breite, verschmierte Übergänge.
Lösung: Temperatur in kleinen Schritten anpassen (meist 1-3 Punkte). Testdrucke machen und mit Verifier prüfen. Für jede Material-Farbband-Kombination optimieren.
Höhere Geschwindigkeit bedeutet weniger Zeit für den Wärmeübertrag. Das führt zu schwächerem Druck und kann die Barcodequalität drastisch verschlechtern.
Symptome: Ungleichmäßige Druckdichte, horizontale Streifen, teilweise fehlende Bereiche, schwankende Qualität.
Lösung: Geschwindigkeit reduzieren, insbesondere bei detailreichen Codes. Alternativ: Temperatur erhöhen (mit Vorsicht). Bei kritischen Anwendungen: Qualität vor Geschwindigkeit.
Der Druckkopf muss gleichmäßig auf das Material drücken. Zu wenig Druck führt zu blassen Bereichen, zu viel Druck zu Verzerrungen und vorzeitigem Verschleiß.
Symptome: Eine Seite des Etiketts heller als die andere, vertikale Streifen, ungleichmäßige Schwärzung, vorzeitiger Druckkopfverschleiß.
Lösung: Druckkopf-Balance prüfen. Bei den meisten Druckern einstellbar über Mechanik oder Software. Regelmäßig Testdrucke über die gesamte Etikettenbreite prüfen.
Druckköpfe verschleißen und verschmutzen. Ablagerungen von Klebstoff, Staub oder Farbresten führen zu Aussetzern. Defekte Heizelemente erzeugen weiße Linien im Barcode.
Symptome: Durchgehende weiße Linien (immer an der gleichen Stelle), fleckige Druckqualität, zunehmende Verschlechterung.
Lösung: Regelmäßige Reinigung mit Isopropanol-Tüchern (alle 500-1000m Druckstrecke). Bei weißen Linien: Druckkopf austauschen. Ersatzköpfe vorrätig halten.
Die Kombination aus Etikettenmaterial und Farbband muss stimmen. Inkompatible Materialien führen zu schlechter Haftung, mangelndem Kontrast oder schnellem Verblassen.
Wachs-Farbbänder funktionieren auf Papier, nicht auf Kunststoff. Harz-Farbbänder sind für Folien, haften aber schlecht auf unbeschichtetem Papier. Die falsche Kombination führt zu abreibbaren oder unscharfen Barcodes.
Symptome: Farbe lässt sich abreiben, Druck wirkt "stumpf", schlechte Kantenschärfe, Farbe löst sich bei Berührung.
Lösung: Wachs für Papier, Wachs/Harz für beschichtete Materialien, Harz für Folien. Im Zweifel: Beim Lieferanten nachfragen oder Testmuster anfordern.
Hochglanz-Etiketten reflektieren das Scannerlicht und verursachen Leseprobleme. Stark strukturierte Oberflächen (Leinen, Karton) führen zu ungleichmäßigem Druck.
Symptome: Barcode lesbar bei bestimmten Winkeln, aber nicht bei anderen. Unterbrochene Striche bei rauem Material.
Lösung: Matte Etiketten bevorzugen. Bei Hochglanz: Barcode-Bereich mattieren oder matte Überdrucklackierung verwenden. Bei rauem Material: Größere Modulbreite.
Thermodirekt-Etiketten (ohne Farbband) reagieren auf Wärme, Licht und Chemikalien. Im Außeneinsatz oder bei langer Lagerung verblassen sie schnell und werden unlesbar.
Symptome: Barcode wird mit der Zeit immer heller, braune Verfärbungen, schwarze Flecken bei Hitzeeinwirkung.
Lösung: Thermodirekt nur für kurzlebige Anwendungen (Versand, Kasse). Für dauerhafte Kennzeichnung: Thermotransfer mit passendem Farbband verwenden.
Material und Farbband haben eine "richtige" Seite. Falsch eingelegtes Farbband überträgt keine Farbe, falsch eingelegte Etiketten führen zu Druckausfällen.
Symptome: Gar kein Druck sichtbar, Farbband läuft durch ohne Farbübertrag, Druck auf Trägermaterial statt Etikett.
Lösung: Farbband-Ausrichtung prüfen (beschichtete Seite nach unten). Etiketten-Laufrichtung beachten. Im Zweifel: "Klebetest" – Farbband an Etikett drücken.
Viele Probleme entstehen bereits bei der Erstellung des Barcodes – lange bevor überhaupt gedruckt wird. Falsche Größen, fehlende Ruhezonen oder unsachgemäße Skalierung sind häufige Ursachen.
Jeder Barcodetyp hat eine Mindestgröße, die nicht unterschritten werden sollte. Bei zu kleinen Codes können Scanner die einzelnen Striche nicht mehr unterscheiden. Besonders kritisch bei günstigen Druckern mit geringerer Auflösung.
Mindestgrößen: EAN-13 bei 80% = 29,8mm breit. Code 128 variiert nach Inhalt. DataMatrix: Modulgröße mindestens 0,5mm für Druck.
Lösung: Die Vorgaben des jeweiligen Standards beachten. Im Zweifel: Größer drucken. Für kleine Codes: DataMatrix verwenden.
Die Ruhezone ist der freie Bereich links und rechts (bzw. rundum bei 2D-Codes). Wird dieser bedruckt oder ist zu klein, kann der Scanner Anfang und Ende des Codes nicht erkennen.
Richtwerte: EAN: mind. 3,63mm pro Seite. Code 128: 10x Modulbreite. DataMatrix/QR: mind. 1x Modulgröße (besser 2-3x).
Lösung: Ruhezonen bereits im Layout einplanen. Keine Rahmen, Linien oder Text in die Ruhezone. Etikettenrand = Ruhezone ist ein Irrglaube.
Barcodes in Grafikprogrammen zu skalieren zerstört die exakten Strichbreiten. Auch das Verzerren (unterschiedliche X/Y-Skalierung) macht Codes unlesbar.
Symptome: Dekodierung schlägt fehl, falscher Inhalt wird gelesen, ungleichmäßige Strichbreiten bei Verifier-Prüfung.
Lösung: Barcodes immer in der Zielgröße generieren. Niemals nachträglich skalieren. Vektorformate (EPS, PDF) verwenden, keine Bitmaps.
Nicht alle Farbkombinationen funktionieren. Rot auf Weiß wird von vielen Rot-Licht-Scannern nicht erkannt. Gelb, Orange und Pastelltöne bieten zu wenig Kontrast.
Problematische Farben: Rot, Orange, Gelb, Hellgrün für Striche. Dunkle Hintergründe. Metallicfarben.
Lösung: Schwarz auf Weiß ist optimal. Akzeptabel: Dunkelblau, Dunkelgrün, Schwarz auf Gelb. Im Zweifel: Imager-Scanner verwenden (erkennt mehr Farben).
Auch korrekt gedruckte Barcodes können falsche oder ungültige Daten enthalten. Diese Fehler sind besonders tückisch, weil der Code lesbar erscheint, aber falsches liefert.
EAN, GTIN und viele andere Codes haben eine Prüfziffer. Wird diese falsch berechnet (z.B. durch manuelle Eingabe), erkennt der Scanner den Code als ungültig.
Symptome: Scanner piept Fehler, "ungültiger Barcode" Meldung, Code wird abgelehnt aber sieht korrekt aus.
Lösung: Prüfziffer immer automatisch berechnen lassen. Niemals manuell eingeben. Online-Prüfziffer-Rechner zum Verifizieren nutzen.
Nicht jeder Code-Typ kann alle Zeichen darstellen. Code 39 kann kein Kleinbuchstaben, EAN nur Ziffern. Die falsche Wahl führt zu Generierungsfehlern oder verfälschten Daten.
Symptome: Fehlermeldung bei Generierung, Zeichen werden "verschluckt", Scanner zeigt anderen Inhalt als erwartet.
Lösung: Code-Typ passend zum Dateninhalt wählen. Für alphanumerisch: Code 128. Für nur Zahlen: Code 128 oder EAN. Für viele Daten: DataMatrix oder QR.
GTINs ohne gültige GS1-Lizenz, doppelt vergebene Artikelnummern oder bereits verwendete Seriennummern verursachen Probleme in Warenwirtschaft und Handel.
Symptome: Artikel wird falsch erkannt, Bestandsfehler, Handelsparter lehnt Lieferung ab, Securpharm-Verifizierung schlägt fehl.
Lösung: GTINs nur von GS1 oder autorisierten Anbietern beziehen. Interne Nummern zentral verwalten. Seriennummern automatisch generieren, nie manuell vergeben.
Sonderzeichen, Umlaute oder nicht-lateinische Schrift können je nach Software und Barcode-Typ zu Problemen führen. UTF-8 vs. ASCII-Konflikte sind häufig.
Symptome: Umlaute werden zu kryptischen Zeichen, Sonderzeichen fehlen, Daten sind "kaputt" nach dem Scannen.
Lösung: Auf Sonderzeichen verzichten wenn möglich. Bei QR/DataMatrix: UTF-8 explizit aktivieren. Daten nach dem Scannen prüfen, nicht nur vor dem Druck.
Manchmal ist der Barcode perfekt, aber die Scan-Situation nicht. Falsche Winkel, Abstände oder Umgebungsbedingungen können das Lesen unmöglich machen.
Jeder Scanner hat einen optimalen Leseabstand. Zu nah oder zu weit weg: kein Scan. Bei glänzenden Oberflächen kann auch der Winkel entscheidend sein.
Symptome: Scanner "findet" den Code nicht, Scan funktioniert nur bei bestimmter Entfernung, Reflexionen bei Hochglanz.
Lösung: Optimalen Leseabstand im Scanner-Handbuch nachschlagen. Bei Reflexionen: Winkel anpassen oder matte Etiketten verwenden.
Ältere Laser-Scanner können keine 2D-Codes lesen. Manche Scanner sind für bestimmte Code-Typen nicht konfiguriert oder unterstützen sie hardwareseitig nicht.
Symptome: Bestimmte Codes werden ignoriert, Scanner piept nicht mal, andere Codes funktionieren aber.
Lösung: Scanner-Dokumentation prüfen. Konfiguration anpassen (Code-Typen aktivieren). Bei 2D-Codes: Imager erforderlich, kein Laser.
Kratzer, Schmutz, Feuchtigkeit oder abgeriebene Bereiche machen Barcodes unlesbar. Besonders kritisch bei Etiketten, die viel angefasst werden.
Symptome: Code war lesbar, ist es jetzt nicht mehr. Sichtbare Beschädigungen. Funktioniert bei manchen Exemplaren.
Lösung: Schutzlaminierung verwenden. Etikettenposition wählen, die wenig Abrieb erfährt. Bei Verschmutzung: Reinigen oder ersetzen.
Sehr hohe oder niedrige Temperaturen, starke UV-Strahlung, Chemikalien oder Feuchtigkeit können Etiketten und Barcodes schnell zerstören.
Symptome: Verfärbungen, Ablösungen, verblasster Druck, aufgerollte Etiketten, Kleber versagt.
Lösung: Material passend zur Umgebung wählen. Für Außen/Industrie: Polyester-Etiketten mit Harz-Farbband. Für Tiefkühlung: Spezialklebstoffe.
Schritt 1: Prüfen Sie mit bloßem Auge – sind Striche gleichmäßig, Kontrast gut, Ruhezonen frei?
Schritt 2: Testen Sie mit einem anderen Scanner oder einer Smartphone-App – liegt es am Scan-Gerät?
Schritt 3: Drucken Sie ein frisches Etikett – liegt es an Verschleiß oder Beschädigung?
Schritt 4: Prüfen Sie die Druckeinstellungen – hat jemand etwas verstellt?
Schritt 5: Im Zweifel: Mit Verifier messen – objektive Qualitätsdaten statt Raten.
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